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Tag der offenen Moschee
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Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.


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Donnerstag, 30.09.2004

30.09.04 Statement Dr. Nadeem Elyas (ZMD-Vorsitzender) "Muslime Partner für Sicherheit" zum undesweiten „Tag der offenen Moschee“



Am 3. Oktober öffnen hunderte Moscheen in Deutschland ihre Türen und laden auch dieses Jahr zum achten Mal zur Aktion „Tag der offenen Moschee“ ein.
Diese weltweit beispielslose Aktion, die auf eine im Jahre 1997 gestartete Initiative des Zentralrats der Muslime in Deutschland zurückgeht, entstand aus unserer tiefsten Überzeugung, dass Muslime sich auf ihre Gesellschaft öffnen, den Kontakt mit ihr verstärkt aufsuchen und den Dialog mit allen intensiver pflegen sollten. Manche Moscheen, die davon schon immer überzeugt waren, hatten schon vor 1997 ihre Erfahrungen mit Tagen der offenen Tür gehabt. Mancherorts standen aber Moschee und christliche Gemeinde bzw. wohnten Muslime und nichtmuslimische Nachbarn Jahrzehnte Tür an Tür, ohne dass die einen oder die anderen es wagten, an die andere Tür zu klopfen und über die fremde Schwelle zu schreiten.

Es galt, die Muslime mit der Praxis der offenen Tür vertraut zu machen, sie aus ihrer oft nicht beabsichtigten Abschottung herauszulocken und ihnen das nötige Know-how zu vermitteln. Es galt aber auch, mit der Aktion „Tag der offenen Moschee“ ein deutliches Zeichen in die Öffentlichkeit zu setzen, dass die Muslime diesen Kontakt wünschen und zum Dialog bereit und gewillt sind. Die Verbundenheit der Muslime mit der Gesamtbevölkerung als Teil der deutschen Einheit sollte durch den bewusst gewählten Zeitpunkt am Tag der Deutschen Einheit verdeutlicht werden.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich der „Tag der offenen Moschee“ zum Selbstläufer, der seinen festen Platz am 3. Oktober hat. Schätzungsweise eine Million Besucher
fanden den Weg in den letzten 7 Jahren zu den offenen Moscheen. Hunderte von Moscheen aller islamischen Verbände gestalten Jahr für Jahr diese Aktion gemeinsam und machten durchweg gute Erfahrung mit dieser Aktion. Manch eine Moschee empfing an einem Tag 4.000 Besucher, andere 2.000 oder 400. Auch für diejenige Moschee, die am Anfang bloß 30 Besucher oder weniger empfing, lohnte sich die Mühe. Man erkannte, was man falsch machte, und wurde im folgenden Jahr mit größeren Besucherzahlen belohnt.

Der Zentralrat nahm die Aufgabe der Bereitstellung von zahlreichen Werbemitteln und der Organisationshilfe auf sich. Auch für dieses Jahr wurde ein 50-seitiges Arbeitsheft mit zahlreichen Tipps zur Planung und Durchführung eines Tages der offenen Moschee erarbeitet. Farbige Plakate in DIN A3 und Handzettel in DIN A5-Format mit dem TOM-Logo, auf die jede Moschee ihr eigenes Programm kopieren kann, wurden gedruckt. Info-Material für die Besucher in Form von farbigen Faltblättern zu den Themen: "Warum ein Tag der offenen Moschee?", "Was ist der Islam?", "Was ist eine Moschee?" und "Islam in Deutschland" wurden herausgegeben und werden zigtausendfach verteilt. Farbige Aufkleber in verschiedenen Größen und Luftballons mit dem Motiv des „Tages der offenen Moschee“ sollen als Webemittel die Besucher auf die Moscheen aufmerksam machen. Die Arbeitsgruppe TOM befasst sich mit Auflistung der teilnehmenden Moscheen aus allen Verbänden, veröffentlicht sie auf islam.de und nimmt im Nachhinein die Auswertung der Aktion vor.

Meine Damen und Herren,
„Tag der offenen Moschee“ stand immer im Licht der aktuellen Ereignisse und setzte sich damit auseinander. Das unterstreicht die Notwendigkeit dieser Aktion. Die Motti und die Themenschwerpunkte, die der Zentralrat für seine Gemeinden in den letzten Jahren festlegte, verdeutlichen uns den Wert dieses Tages als Mittel des Dialogs und der Öffnung: "Islam und Gewalt", "Muslime und die innere Sicherheit", "Die Kopftuchdebatte" und "Muslime Partner gegen Rassismus". Nach dem 11. September 2001 lautete für uns die Devise "Jetzt erst recht". Die ZMD-Gemeinden bestreiten den diesjährigen „Tag der offenen Moschee“ unter dem Motto "Muslime Partner für Sicherheit".

Die alarmierenden Ergebnisse der letzten Erhebung des Instituts für Demoskopie in Allensbach, nach denen 83% der Befragten den Islam mit Terror in Verbindung bringen, 82% ihn für fanatisch und radikal, 70% für gefährlich halten, müssen von uns Muslimen mit mehr Öffnung und Transparenz beantwortet werden. Diesen auf Vorurteilen basierenden Emotionen sollen wir Muslime nicht mit verbaler polemischer Widerrede begegnen, sondern mit unserem konstruktiven und offensiven Auftreten für das Gemeinwohl und durch die deutliche Umsetzung unserer Glaubensüberzeugungen bezüglich Friedfertigkeit, Toleranz und gegenseitigem Respekt.

Vor den Muslimen in Deutschland braucht man sicht nicht fürchten, sie sind kein Risikofaktor. Bis jetzt und seit Jahrzehnten waren ihre Moscheen faktisch keine Bedrohung und keine Horte des Terrorismus. Dies belegen nicht zuletzt die ergebnislos verlaufenen ungerechtfertigten Durchsuchungen von mehr als 120 Moscheen und 1600 Büros und Wohnungen. Die Öffentlichkeit hat Anrecht darauf, nun zu erfahren, welche für die Staatssicherheit und die Terrorbekämpfung relevanten Ergebnisse dabei erzielt wurden, wie viele Terroristen in den Moscheen gefasst und wie viele Maschinengewehre und Bomben gefunden wurden. Andernfalls sollte diese demonstrative Härte am falschen Platz ausbleiben, die nur dazu dient, bei der Bevölkerung unbegründete Ängste vor den Muslimen in Deutschland und vor ihren Moscheen zu erzeugen und den letzten Rest an Vertrauen der Bevölkerung in die islamischen Strukturen zu zerstören.

Nein, die Muslime sind kein Risikofaktor in unserer Gesellschaft. Die Sicherheit unserer Gesellschaft ist unserer aller Sicherheit. Sie zu schützen ist für uns nicht nur eine Bürgerpflicht, wir betrachten dies auch als eine islamische Pflicht.
Wir sind bemüht, das eigene Haus in Ordnung zu halten, das Bewusstsein für die allgemeine Sicherheit bei den Führungskräften zu stärken und die Grundlage für eine aufgeschlossene Erziehung unserer Kinder und Fortbildung unserer Jugend zu schaffen. Unsere Gemeinden sind angewiesen dafür Sorge zu tragen, dass die Verbreitung gesetzwidrigen Gedankengutes durch fremde Elemente unterbunden wird.

Wir bieten uns an, als Partner für die Sicherheit der gesamten Gesellschaft und hoffen, dass uns die Chance dazu gegeben wird. Die Abweisung der gestreckten Hand der Muslime schadet der gesamten Gesellschaft. Die versuchte Demontage ihres Rufes durch die ständige monotone Forderung nach jedem terroristischen Akt in der Welt, "die Muslime in Deutschland sollen sich deutlich vom Terrorismus distanzieren", unterstellt ihnen strukturelle oder mentale Nähe zum Terrorismus und schließt sie somit als Partner bei der Bekämpfung desselben aus.

Unsere klare Haltung gegen Terror und Gewalt, von wem dies ausgehen und gegen wen es sich richten mag, machten wir hundertfach deutlich. Gewalttaten im Namen des Islam rufen bei uns Abscheu aus und erfüllen uns mit Sorge um den Weltfrieden.
"Wir verurteilen jede Art von Terrorismus und sehen darin sowohl einen abgrundtiefen Verfall aller Maßstäbe der Menschlichkeit und der Vernunft als auch einen Widerspruch zu den Lehren aller Offenbarungsreligionen. Dass auch Muslime hinter terroristischen Gräueltaten stecken und sich dabei auf den Islam berufen, macht uns mehrfach betroffen: Ihr Verbrechen an Unschuldigen versetzt die Muslime - wie alle anderen Menschen auch - in Schock und Trauer...Ihren blinden Taten fallen wahllos Christen, Juden und Muslime; Frauen und Männer; Greise und Kinder zum Opfer. Wer immer solche blutigen Taten verübt, findet im Islam keine Rechtfertigung. Der Islam verbietet Mord, Geiselnahme, Anarchie und Terror. Wer solche Verbrechen duldet, gutheißt oder gar deckt, macht sich der Mittäterschaft schuldig. Für solche Täter oder Mittäter wird es in unseren Gemeinden kein Verständnis, keinen Platz und keine Unterstützung geben. Gegen den Missbrauch unserer Religion lehnen wir uns auf und distanzieren uns von den Verbrechern."

Nicht nur dieser zitierte Inhalt aus unserer gemeinsamen Stellungnahme gegen Terror und Gewalt wird am "Tag der offenen Moschee" Gegenstand der Diskussionen sein. Der zivilisierte Umgang miteinander, das solidarische Verhalten, die Beziehungen der Moscheen mit den Behörden vorort, der Dialog mit den anderen Religionsgemeinschaften in der Nachbarschaft...alles Themen, die ihren Platz am 3. Oktober in den Moscheen haben werden.
Mit Moscheeführungen, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Büchertischen und Folklore werden die Moscheegemeinden das Gespräch mit ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern suchen und sie in gewohnter Gastfreundschaft bei Tee, Kaffe und Spezialitäten aus aller Welt empfangen.

Die Muslime werden beim "Tag der offenen Moschee" Ihr Bestes geben, um Fragen zu beantworten und für Gespräche zur Verfügung zu stehen. Es kommt vielleicht nicht so sehr auf ein einwandfreies Beherrschen der Sprache an, als vielmehr auf den aufrichtigen Wunsch, miteinander in guter Weise umzugehen.

An diesem Tag sollen die Moscheen im Mittelpunkt stehen, die sie ja Orte der Begegnung der Gläubigen unter sich und Orte ihrer Begegnung mit Gott sind, Orte des Friedens und der Frömmigkeit, Orte der Bildung und des Wissens, Orte des geselligen Miteinanders für Männer, Frauen und Kinder.

Die Öffnung unserer Moscheen am 3. Oktober ist unser klares Bekenntnis zu dieser Gesellschaft.


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