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Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.


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Mittwoch, 22.06.2011

14.06.11 Grußwort des derzeitiger KRM-Sprechers und ZMD-Vorsitzenderzur auf der Tagung „Herausforderung an die islamische Theologie in Europa“ in Münster



Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Grußwort von Aiman A. Mazyek, derzeitiger KRM-Sprecher und ZMD-Vorsitzender zur Tagung „Herausforderung an die islamische Theologie in Europa“ in Münster vom 10.-12.Juni 2011– Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Prorektorin Dr. Ravenstein (Uni Münster), sehr geehrter Prof. Dr. von Stoch (Uni Paderborn/Kath. Fakultät), lieber Mouhanad, Prof. Dr. Khourchide.

Unsere Begrüßung und Anerkennung überbringe ich heute vom KRM - dem Koordinationsrat der Muslime in Deutschland, der 2007 von den vier großen Dachverbänden DITIB, Islamrat, ZMD und VIKZ gegründet wurde, für die Ausrichtung oder Durchführung dieser Tagung „Herausforderung an die islamische Theologie in Europa“ durch die Universitäten von Paderborn und Münster.

Die Auseinandersetzung mit den „Islamischen Studien“ – Islamische Jurisprudenz – Akida (Islamische Glaubenslehre), Mystik und Kalam und islamische Philosophie stellt in der Tat für die Muslime heute wie früher eine Herausforderung dar. Bisweilen stellt die sichtbare und den Islam praktizierende Minderheit im Kontextt dieser Themen auch für die Mehrheitsgesellschaft eine Herausforderung dar.

Von Wichtigkeit für die Muslime ist vor allem in diesem Zusammenhang, dass die Auseinandersetzung und Forschung im Bereich der Islamischen Studien so etwas wie „theologische Rechtssicherheit“ schaffen soll. Die muslimische Commnunity und ebenso die muslimischen Studierenden knüpfen die Hoffnung und Erwartung bei diesen Themen an praxisorientierte Ergebnisse und Handreichungen, praktische Lebenshilfen. Wenn die neugegründeten muslimischen Lehrstühle es zudem vermögen, intelligente und kompetente Kompromisslinien von Orthodoxie und Modernität zu schaffen, dann könnte so etwas wie ein Vertrauensverhältnis entstehen.

Absagen an Säulen der Religion oder experimentelle Seil-Tänzerei fernab vom muslimischen Mainstream, wie bei Sven Khalisch hier Münster geschehen, lässt in Teilen vielleicht die Presse jubeln, schafft aber alles andere als Vertrauen in den Lehrstuhl. Sie sehen also, meine Damen und Herren, die Beschäftigung mit den Themen ist alles andere als theoretischer Natur.

Die muslimische Gemeinde verlangt nach Handreichungen, die mit der Zeit gehen und gleichzeitig sich nicht der Tradition verweigern. Als Zentralrat haben wir diese praktische Erfahrung bereits 2002 mit der Islamischen Charta gemacht, wo wir z.B. den Fragen der Loyalität des Muslims zur demokratischen Grundordnung, zu den Menschenrechten oder der Frage der Religionsfreiheit nachgegangen sind und den Muslimen so praktische – weil auch aus dem Islam ableitbare – Leitlinien entwickelt haben.

Dies ist bisweilen aber nicht die Erwartung großer Teile der Öffentlichkeit, wenn es um die Beschäftigung der islamischen Religionslehre geht. Islamkritische – oftmals islamfeindliche Haltungen – bestimmen hier den Diskurs in der Öffentlichkeit. Sie knüpfen bei diesem Thema die Erwartung, Muslime müssten endlich mit der Säkularisierung des Glaubens voranschreiten und mit den religiösen, weil veralteten, Traditionen brechen, um hier anzukommen, zumindest die Aufklärung in die Religion implementieren, was immer das heißen mag.

Unnötig wird so ein Antagonismus zwischen einerseits vermeintlicher rückständiger islamischer und andererseits westlich aufgeklärter Lebensweise aufgebaut, dem sich leider viele vergangene Tagungen als Arbeitshypothese nicht hinterfragend hingegeben haben. Doch dieser Antagonismus entspricht nicht der Lebenswirklichkeit der Muslime, wie das am Bsp. des Religionsmonitoring der Bertelsmann –Stiftung bereist 2008 und 2009 eindrucksvoll festgestellt wurde. Danach führte bei den Untersuchungen unter den Muslimen die Zunahme an religiösem Wissen und die Praktizierung seiner Ethik zu einer moderaten Haltung und Toleranz gegenüber Andersgläubigen.

Interessant und hilfreich wäre z.B., wenn eine solche Tagung die gemeinsame Position des KRM bei der Bestimmung der islamischen Festtage herausstellen und so die theologische Position dem wissenschaftlichen Diskurs zuführen oder evtl. noch unterfüttern würde. Eine ähnliche Erwartung hätten wir z.B. auch zu unserer vor einem Jahr herausgegebenen Stellungnahme(n) über die Vereinbarkeit von Profifußball und Ramadan, wo wir Positionen der Al-Azhar in Kairo und des European Fetwa-Council uns zu eigen gemacht haben und für den muslimischen Profisportler so etwas wie Rechtssicherheit im religiösen wie im arbeitsrechtlichen Sinne geschaffen haben.

Aber wie gesagt, die Auseinandersetzung mit dem Islam in diesem Land geht meist über die Bereiche Sicherheit und Extremismus kaum hinaus, dies hat ja meine Vorrednerin Frau Dr. Ravenstein bereits zu recht bedauert. Und wenn Muslime sich dann zu praktischen Lebensfragen im Kontext ihres Glaubens äußern, findet es kaum Beachtung

Als wir vor einigen Tagen unsere Stellungnahme im Zuge der Gesetzesfassung im Bundestag zur Präimplantationsdiagnostik – kurz PID - herausgegeben haben, die qualifiziert, verständlich und sich in ihrer Position durchaus von Kirche abhebt, fand diese Stellungnahme zwar viel Beachtung in der Netz- Commnunitiy, aber recht wenig in der Presse und Öffentlichkeit. Obgleich – oder muss ich sagen beinah weil - es sich um eine Position handelt, die sich eben nicht mit den Frage der inneren Sicherheit beschäftigt. Aber wenn der neue Innenminister sich anschickt zu einer neuen Sicherheitskonferenz einzuladen, können Sie sicher sein, dass jedes Wort und jede Stellungnahme – auch und gerade von den Muslimen - Verbreitung und Gehör findet.

Deswegen ist es gut, meine Damen und Herren, wenn Sie solche und andere Tagungen dieser Art ausrichten. Sie bieten eine erfrischende Abwechslung zu diesem zwar öffentlichkeitsbestimmenden aber von der muslimischen Praxis weit entfernten Gewalt –und Sicherheits-Diskurs. Sie machen nämlich deutlich: Muslime sind hier kein Sicherheitsrisiko, so wie das der Prophet Muhammad (Friede(s) und Segen auf ihn) es deutlich machte, als er gesagt: „Der Gläubige ist der, vor dem die Menschen in Sicherheit sind“ (er sagte nicht, vor dem die Muslime in Sicherheit sind). Muslime mit ihrem gelebten Glauben können eine Chance und ein Gewinn für unsere Gesellschaft sein und sie können bereichernd für unsere Debatten sein, wie wir das am Beispiel PID gesehen haben. Deshalb wünsche alles erdenklich Gute und nachhaltigen Erfolg für diese Tagung, ertragreiche und für alle bereichernden Debatten.


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